Neubau Coop-Passerelle

Mit den neuen Arealentwicklungen Zentrale und Bredella nördlich der Bahngeleise wächst Pratteln weiter. Damit die neuen Quartiere optimal mit dem bestehenden Siedlungsgebiet verbunden sind, ist eine direkte Nord-Süd-Querung von zentraler Bedeutung. Nach eingehender Prüfung der Situation hat der Gemeinderat den definitiven Baustopp beschlossen. Es wird nicht weitergebaut, bis der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entschieden hat.

Für die direkte Nord-Süd-Querung bewilligte das Stimmvolk 2023 einen Kredit von knapp 7 Millionen Franken (CHF 6'985'000) sowie zusätzlich CHF 350'000 für den Landerwerb. Aktuell ist die Baustelle gestoppt: Grund dafür sind insbesondere die aufschiebende Wirkung von Stimmrechtsbeschwerden gegen den Nachtragskredit sowie eine zu erwartende deutliche Kostensteigerung.

Geplant war eine schlanke, barrierefreie Stahlbrücke, die allen offensteht – ob zu Fuss, mit dem Velo, Kinderwagen oder Rollstuhl. Treppen, Rampen und Lifte gewährleisten einen einfachen und hindernisfreien Zugang.

Im Verlauf der Planung und Projektierung erhöhten sich die ursprünglich geschätzten Baukosten aus verschiedenen Gründen deutlich: In der Detailprojektierung stiegen die Gesamtkosten auf knapp 11 Millionen Franken. Der Einwohnerrat bewilligte deshalb am 15. Dezember 2025 einen Nachtragskredit von CHF 3,8 Millionen.

Gegen diesen Nachtragskredit und den Umgang mit den Werksleitungskosten wurden Stimmrechtsbeschwerden eingereicht. Die Finanz- und Kirchendirektion Basel-Landschaft erteilte den Beschwerden Anfang Juli aufschiebende Wirkung. Damit fehlt die Planungssicherheit: Die für die Weiterführung nötige Finanzierung steht nicht zur Verfügung. Die Gemeinde Pratteln stoppt deshalb die Bauarbeiten und klärt parallel dazu die Kostensituation vertieft ab.

Das Projekt war terminlich von Beginn weg ambitioniert. Die für die Ausführung bereits reservierten Gleissperrungen für 2027 musste die Gemeinde wegen des Baustopps annullieren. Neue Sperren müssen beantragt werden. Auf Hauptlinien der SBB muss dies rund zwei Jahre im Voraus geschehen.

 


Gemeinderat beschliesst Baustellenstopp und externe Überprüfung

Nach eingehender Prüfung der Situation hat der Gemeinderat den definitiven Baustopp beschlossen. Es wird nicht weitergebaut, bis der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entschieden hat.

Der Baustopp schafft die Möglichkeit und zugleich den Anlass, das Projekt zu überprüfen.

«Die Gemeinde ist Bauherrin dieses Projekts und trägt die Verantwortung», sagt Petra Ramseier, Gemeinderätin. «Aufgrund der heutigen Situation lassen wir das Projekt jetzt extern und unabhängig überprüfen, bevor wir über das weitere Vorgehen entscheiden.»

Petra Ramseier, Gemeinderätin
Petra Ramseier, Gemeinderätin

 

«Der Gemeinderat misst einer sicheren und attraktiven Verbindung zwischen Nord und Süd weiterhin grosse Bedeutung bei», betont Petra Ramseier, Gemeinderätin. «Die Querung der Gleise bleibt an verschiedenen Orten möglich, etwa beim Bahnhof. Was fehlt, ist die gute, direkte Verbindung, die mit der neuen Passerelle entstehen soll.»

 

Mit der Überprüfung wurde ein externes Büro beauftragt. Im Fokus der Abklärungen stehen insbesondere die bisherige Projektentwicklung, die Ursachen der Kostensteigerungen sowie die zu erwartenden weiteren Kosten- und Projektrisiken.

 


Deutliche Kostensteigerung

Die Coop-Passerelle ist ein technisch, finanziell und politisch anspruchsvolles Infrastrukturprojekt. Die wichtigsten Faktoren der Kostensteigerung sind:

  • Zusätzlicher Anprallschutz:
    Aus Sicherheitsgründen ist bei bahnnahen Konstruktionen ein spezieller Anprallschutz erforderlich. Diese bautechnischen Auflagen der Bewilligungsbehörden waren in dieser Form in der ursprünglichen Planung noch nicht berücksichtigt und nicht bekannt.

  • Weiterentwicklung der Konstruktion:
    Im Zuge der Detailplanung der Passerelle wurden die Konstruktionen weiter konkretisiert. Dadurch entstanden gegenüber dem Projektstand von 2022 zusätzliche Aufwendungen.

  • Aufwendiger Einbau der Brücke:
    Aufgrund der Vielzahl an elektrischen Leitungen der SBB (Übertragungsleitungen, Speiseleitungen, Fahrleitungen) und deren engen Abstände zueinander kann die Brücke nicht eingehoben, sondern muss mit einer Vorschubkonstruktion eingebracht werden.

  • Gestiegene Materialpreise:
    Die Materialkosten sind seit 2022 deutlich gestiegen.

  • Zusätzliche Pfahlfundierungen:
    Ursprünglich war im Süden eine Flachfundation als Projektausgangslage vorgesehen. Aufgrund der bekannten bestehenden Leitungsführungen sowie der erhöhten statischen Anforderungen an die Fundation im Bereich der Rampen und der Passerelle wurde dieser Sektor um eine Pfahlfundierung erweitert. Aufgrund des zusätzlichen Anprallschutzes müssen diese Pfahlfundamente mit der Flachfundierung verbunden und verschoben bzw. vergrössert werden. Dadurch sind die bekannten Werkleitungen zu schützen und müssen durch zusätzliche Bohrpfähle gesichert werden.

 


Sicherung der Baustelle

Eine Baustelle kann nicht sofort «geschlossen» werden. Es waren verschiedene Arbeiten erforderlich, um die Baustelle zu sichern, bis das weitere Vorgehen geklärt ist.

  • Baustellenbereich rund um bereits gebaute Rampe und Fundamente absperren.
  • Ein Fuss- und Fahrradweg wurde erstellt, damit die Wasenstrasse passiert werden kann.
  • Baustellencontainer wurden zurückgebaut.
  • Der Installationsplatz wurde zurückgebaut und die Fläche kann wieder als Parkfläche genutzt werden.
  • Der bereits gebaute Liftschacht wurde mit Kies aufgefüllt und abgedeckt.
  • Die Absperrgitter definieren weiterhin den Perimeter.
  • Die Verlegung der Fernwärme wurde abgeschlossen

 


Weiteres Vorgehen

Wie es mit dem Projekt weitergeht, hängt vom Ausgang der hängigen Beschwerdeverfahren, der Erkenntnisse aus der externen Analyse und von der Klärung der Kostenfrage ab.

Der Gemeinderat greift dem Ergebnis der Analyse nicht vor und legt sich zum jetzigen Zeitpunkt auf keine bestimmte Lösung fest. Er wird über das weitere Vorgehen entscheiden, sobald die vertieften Erkenntnisse vorliegen.

 


Sie fragen – wir antworten: Die wichtigsten Fragen rund um die Passerelle

 

Muss das Projekt neu geplant werden?

Das Projekt muss kritisch überprüft und offene Fragen geklärt werden. Der Gemeinderat entscheidet nach Vorliegen der Fakten über das weitere Vorgehen, auch über die Planung.

Ist der Baustopp nur ein Vorwand, um ein zu teuer gewordenes Projekt auszubremsen?

Die Gründe für den Baustopp sind insbesondere die aufschiebende Wirkung der Stimmrechtsbeschwerden und die damit verbundene fehlende Planungssicherheit hinsichtlich der Finanzierung.

Warum hat die Gemeinde einen Zusatzkredit beantragt, obwohl bereits klar war, dass dieser Kredit nicht ausreichend ist?

Zum Zeitpunkt der Beantragung des Nachtragskredits waren die Gesamtkosten gedeckt. Nach den damaligen Abklärungen wurden die Kosten für gemeindeeigene und externe Werke (z. B. Wasser, Abwasser oder EBL) nicht zur Gesamtkreditsumme gezählt. Ob diese Auslegung rechtlich korrekt ist, muss nun juristisch im Rahmen der hängigen Stimmrechtsbeschwerden beurteilt werden.

Wie hoch sind die bereits verbauten, nicht mehr rückholbaren Mittel?

Diese Zahl wird im Rahmen der laufenden Analyse ermittelt und veröffentlicht, sobald sie vorliegt.

Was passiert mit den bereits produzierten Bauelementen?

Bereits produzierte Bauelemente wie Fundamente und Rampenelemente sind vor Ort fest verbaut. Bereits begonnene Stahlbauteile werden eingelagert.


Haben Sie weitere Fragen zum Projekt: bau@pratteln.ch


 

News

DatumName